Warum ich meinem Hund nicht grenzenlos vertraue

Ich habe vor einigen Tagen durch Zufall einen Beitrag auf Instagram von einer Reiterin gelesen, von wem genau weiß ich gar nicht mehr. Sie schrieb, dass viele sie immer fragen würden, warum sie ihr Pferd frei stehen ließe ohne es anzubinden und etwas derartiges. Der Schlüssel sei ganz einfach Vertrauen. Sie würde ihrem Pferd in jeder Situation vertrauen. Das brachte mich ein wenig zum nachdenken. Vertraue ich Mogli auch grenzenlos? Und wenn nicht, was stimmt dann nicht mit mir oder mit uns, denn Vertrauen ist ja bekanntlich der Grundstein für eine gesunde Partnerschaft, auch bei Mensch und Hund.

Aber trotzdem muss ich sagen, nein, ich vertraue Mogli nicht grenzenlos. Und ich finde auch nicht, dass das unbedingt etwas gutes ist. Ich kenne, schätze und liebe Mogli, aber ihm in jeder Situation vertrauen tue ich nicht. Und das aus einem einfachen Grund. Ich kenne ihn.
Vertrauen ist mir ebenso wichtig wie dieser Reiterin und vermutlich wie vielen von euch auch, aber ich finde Vertrauen sollte Hand in Hand mit einer gesunden Einschätzung gehen. Ich vertraue Mogli, weil ich ihn kenne, dass er nie einem Hund gegenüber aggressiv werden würde. Deshalb bringe ich ihm bei Hundebegegnungen stets Vertrauen entgegen. Ich lasse ihn mit anderen Hunden spielen, ohne mir um sein Verhalten Gedanken zu machen. Aber weil ich ihn kenne weiß ich, dass Mogli bei Hundebegegnungen gerne einfach losrennt und dann nicht mehr abrufbar ist. Deshalb würde ich ihm in dieser Situation nicht genug vertrauen, um ihn einfach nicht anzuleinen, weil ich in unserer gemeinsamen Zeit gelernt habe, ihn diesbezüglich gut einzuschätzen. Würde ich Mogli grenzenlos vertrauen, müsste ich ihn doch eigentlich nicht anleinen und darauf vertrauen (oder hoffen), dass Mogli sich gut benimmt und meinen Anweisungen folgt. Aber bringen würde mir das Ganze nichts, denn es würde nur damit enden, dass Mogli doch auf den Hund zu rennen würde, und da ich den anderen Hund nicht kenne kann ich nicht sagen, ob dieser unter Umständen an der Leine aggressiv reagiert und ich Mogli so mit meinem Vertrauen in Gefahr gebracht habe.

Ein anderes Beispiel ist Frodo. In unseren gemeinsamen 2 Jahren habe ich ihn so gut kennengelernt, dass ich ihn, wenn wir allein unterwegs sind, ohne Bedenken ableinen würde, auch wenn er nicht bei mir lebt und wir nicht jeden tag miteinander verbringen. Ich vertraue ihm und vertraue auch auf unsere Bindung. Aber wenn ich ihn und Mogli zusammen füttere, würde ich dies niemals direkt nebeneinander tun. Die Näpfe stehen ein Stück voneinander entfernt, und ich würde die beiden beim Fressen nicht unbeaufsichtigt lassen. Ist genug Futter da, gibt es nie Probleme, aber sollte es nur noch ein Leckerchen geben das auf dem Boden liegt, kann Frodo schon mal zickig werden. Also würde mir auch hier grenzenloses Vertrauen nichts bringen, da ich so nur beide Hunde in Gefahr bringen würde.

Macht es mich zu einem schlechten Hundehalter, dass ich meinen Hunden ein Vertrauen entgegen bringe, dass sehr wohl Grenzen hat? Meiner Ansicht nach macht es mich zu einem realistischen Hundehalter, denn auch wenn ich Frodo und Mogli liebe weiß ich, dass beide nun mal ihren eigenen Kopf haben. Beide haben “Fehler” oder “Unarten”, etwas, dass nicht so ist wie ich es gerne hätte. Und auch dafür liebe ich sie. Ich kenne die beiden inzwischen so gut, weiß in vielen Situationen schon vorher, wie sie reagieren werden und kann sie daher gut einschätzen. Und genau daraus ziehe ich mein Vertrauen. An ihrem Können und an ihrem Verhalten messe ich, inwieweit ich ihnen Vertrauen im Bezug auf bestimmte Dinge zukommen lassen kann. Und ich denke, dass die beiden das in gewisser Weise auch wissen. Wenn ich mit ihnen spazieren bin, und einer der beiden hört nicht, dann kann ich ihm nicht vertrauen und dann muss er im schlimmsten Fall einfach an die Leine. Ich vertraue den beiden in vielerlei Hinsicht sehr viel, will ihnen aber nie mehr “Verantwortung” zumuten, als sie händeln können. Vertrauen ist also auch in unserer Beziehung wichtig und immer da, aber eben nicht grenzenlos, denn ab einer bestimmten Grenze bin nun mal ich der Halter und für die beiden verantwortlich und ihre “Leitperson” an der sie sich orientieren können und sollen.

Welche Bedeutung hat Vertrauen für euch und würdet ihr sagen, ihr vertraut euren Hunden grenzenlos ?

 

Danke fürs vorbeischauen, Kira und Mogli

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